Osnabrück/Berlin/Frankfurt. Es dreht sich nicht immer alles ums Geld: Trotz der umfangreichen Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung scheuen viele Hausbesitzer, sich mit den Baumaßnahmen auseinanderzusetzen. Soll das Dach zusätzlich gedämmt oder die Heizung erneuert werden – das Thema erscheint komplex. Etwa die Hälfte von 1.008 Ein- und Zweifamilienhausbesitzern gaben jetzt in einer Studie des Forschungsprogramms „Enef-Haus“ an, dass ihnen bisher die Zeit gefehlt habe, sich intensiv mit energetischen Sanierungen zu beschäftigen. Über ein Drittel empfinde die Maßnahmenplanung als zu schwierig. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) kann helfen: Im Rahmen ihrer bundesweiten Kampagne „Haus sanieren - profitieren“ erhalten Hausbesitzer einen kostenlosen Energie-Check durch geschulte Handwerker. „Wir möchten die Hemmschwelle für Eigentümer senken und einen Weg durch den Sanierungsdschungel aufzeigen“, betont DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.
Privathäuser verbrauchen so viel Energie wie Industrie und Verkehr
Von den rund 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland sind etwa zwölf Millionen vor 1984 gebaut worden und zu großen Teilen sanierungsbedürftig. „Es ist höchste Zeit, dass wir verstärkt Gebäude im Bestand fit für die Zukunft machen“, erläutert Brickwedde. Schon heute verbrauche eine Durchschnittsfamilie rund 80 Prozent ihrer Energie im Haushalt fürs Heizen. Die Kosten dafür würden stetig steigen. „Privathäuser verbrauchen sogar etwa genau so viel Energie wie die Industrie und der Verkehr hierzulande“, sagt Brickwedde. „Ältere Häuser könnten nach der Sanierung bis zu 90 Prozent weniger Energie verbrauchen“, so Brickwedde. Das würde nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Geldbeutel der Eigentümer zugutekommen.
Brickwedde: "Es mangelt an Problembewusstsein"
„Um den Wert der Immobilie langfristig zu steigern und sie so enkeltauglich zu machen, lohnt sich der Aufwand“, meint Brickwedde. Dennoch würden viele Hausbesitzer die Chancen verkennen: 60 Prozent der im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung befragten Eigentümer seien der Ansicht, dass ihre Immobilien in einem guten Zustand sind. „Es mangelt an Problembewusstsein“, bestärkt Brickwedde. Deshalb habe die DBU schon 2007 mit ihrem Beratungsprogramm „Haus sanieren – profitieren“ angefangen, eine direkte Ansprache von Hausbesitzern in ganz Deutschland zu etablieren.
Kostenloser Energie-Check gibt Überblick über Zustand des Hauses
Über 9.900 Handwerker sind inzwischen geschult und können ihren Kunden den kostenlosen Energie-Check etwa nach Routinearbeiten am Gebäude anbieten. Vielleicht ist ein Dachziegel vom Haus gefallen oder der Schornsteinfeger sieht, dass es sich um eine ältere Immobilie handelt. Es gibt viele Gründe, warum ein Handwerker zu Kunden fährt. „Unsere Partner können einen Gutschein für ein unverbindliches Gespräch überreichen“, so Brickwedde. Mithilfe des Energie-Check-Bogens erhalten Eigentümer einen groben Überblick über den energetischen Zustand ihres Hauses. In einem Farbschema von rot bis grün werden die einzelnen Gebäudeteile bewertet. Damit aber nicht genug: Wie es schrittweise weitergehen könnte – das können Hausbesitzer im Anschluss in einer DBU-Broschüre nachlesen. „Der Energie-Check ersetzt keine ausführliche Beratung. Wir empfehlen im Anschluss ein detailliertes Gutachten von einem unabhängigen Experten, das vom Staat mit bis zu 300 Euro bezuschusst wird“, betont Brickwedde. Wer Interesse an einem Energie-Check hat, findet geschulte Handwerker in der Nähe unter www.sanieren-profitieren.de.
Studie untersucht Handlungsmotive von Hausbesitzern
Die Studie „Handlungsmotive, -hemmnisse und Zielgruppen für eine energetische Gebäudesanierung“ steht zum Download bereit unter www.enef-haus.de. In dem „Enef-Haus“-Projekt untersucht das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW) und der Hochschule Lausitz, wie Eigenheimbesitzer zu mehr Energiesparen durch Gebäudesanierung aktiviert werden können.

