Osnabrück. Das Haus ist frisch saniert: Neues Dach und Außenwand gut gedämmt, Wärmeschutzverglasungen, die Fassade frisch gestrichen. Die Hausbesitzer werden durch die Baumaßnahmen nicht nur deutlich ihre Energiekosten senken, sie tragen auch zum Klimaschutz bei: Sie müssen weniger heizen und senken damit ihren Kohlendioxid-Ausstoß. Ein Posten, der in dieser Rechnung jedoch leicht vernachlässigt werden kann, ist der Naturschutz. „Schwalben, Mauersegler und Fledermäuse können Leidtragende der Modernisierungsmaßnahmen sein. Das muss aber nicht sein: Spezielle Nistkästen oder künstliche Fledermausquartiere sorgen für Ausgleich“, erläutert Stefan Rümmele, Projektleiter der Klimakampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die bundesweite Initiative sensibilisiert Ein- und Zweifamilienhausbesitzer mithilfe eines kostenlosen Energie-Checks und in Kooperation mit dem Handwerk für energetische Sanierungen.
Rümmele: "Standorttreue Vögel haben bei Baumaßnahmen oft das Nachsehen."
Nach ihrem unverbindlichen Service, bei dem Eigentümer einen groben Überblick über den Zustand ihrer Immobilien erhalten, empfiehlt die DBU ein ausführliches Gespräch durch einen Energieberater. Der Experte schlägt in der Regel drei mögliche Maßnahmenpakete vor. Oft entscheiden sich Hausbesitzer, die Außenwände zu dämmen. Tiere, die hier ihr Zuhause hatten – Mauersegler, Fledermäuse oder Schwalben – haben nach der Sanierung das Nachsehen. Ihre Nester bleiben bei den Maßnahmen auf der Strecke, ihre Lebens- und Nisträume für immer verschlossen. Rümmele: „Besonders für standorttreue Vögel wie den Mauersegler, der immer zu seinem angestammten Nistplatz zurückkehrt, ist dies ein enormes Problem. Er kann nicht einfach umgesiedelt werden. Dies ist einer der Gründe, weshalb sein Bestand gerade in Städten immer weiter abnimmt.“
Ersatznistkästen oder Einbausteine sind künstliche Quartiere für Flugtiere
Dabei gibt es für diese Fälle ganz einfache Lösungen: Es gibt so genannte Ersatzniststätten für Vögel oder künstliche Quartiere für Fledermäuse. Das sind in der Regel Einbausteine, die der Handwerker einfach in die Dämmung einbinden kann. Sie können aber auch der Schräge des Daches angepasst sein und so direkt dort montiert werden. Rümmele: "Der Bauherr sollte dies frühzeitig in seiner Planung berücksichtigen. Reagiert er erst nach den Bauarbeiten, muss er die Außenwand und damit die Dämmung noch einmal durchbrechen, um die Niststätten einzubauen." Dadurch könne es beispielsweise zu Wärmebrücken kommen, an denen viel Energie verloren gehe. „Grundsätzlich sollte der Handwerker die Brutstätten möglichst weit oben in der Wand oder unter dem Dach anbringen. Der Hausbesitzer sollte außerdem dafür sorgen, dass die Tiere frei an- und abfliegen können“, rät Rümmele. Wichtig sei, dass die Nistmöglichkeiten beziehungsweise Quartiere eingebaut seien, bevor die Tiere aus den Winterquartieren zurückkehrten und sozusagen „vor verschlossenen Türen“ stünden.
Verschmutzung der Hauswand kann mit Brettern unter Einfluglöchern verhindert werden
„Wer Tieren Quartiere in oder an seinem Haus zur Verfügung stellt, sichert nicht nur die Artenvielfalt, sondern hat auch die einzigartige Möglichkeit, sie aus nächster Nähe zu beobachten“, so Rümmele. Er erhalte einen ökologischen Insektenschutz – kostenlos. Etwaige Verschmutzungen der Hauswände könnten durch die Montage von Brettern unter den Einflugöffnungen einfach verhindert werden.
Informationen zum Naturschutz im Zuge von Sanierungen bieten Kampagnen-Partner
Wer weitere Informationen zum Naturschutz im Zuge von Sanierungen erhalten möchte oder einen Handwerker für einen kostenlosen Energie-Check sucht, findet sie unter www.sanieren-profitieren.de. Die DBU fördert die Kampagne mit fünf Millionen Euro und will bis 2011 mit der bundesweiten Initiative 50.000 zusätzliche Sanierungsmaßnahmen à 20.000 Euro anstoßen. Das würde zusätzliche Investitionen von einer Milliarde Euro für das Handwerk bedeuten. Dadurch sollen jährlich rund 135.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart werden.


