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5. Mehrgenerationenhaus aus klösterlicher Stallanlage
Martin Weber, Rudi Ostermeier, Regensburg
Der Bauherr und sein Begleiter: Martin Weber (l.) und Rudi Ostermeier arbeiteten gemeinsam an dem Projekt und freuen sich über das Resultat.
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Sanierungsobjekt Regensburg
So sahen die Überreste der alten Klosteranlage und des alten Anbaues vor dem Umbau 2010 aus.
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„Ich wollte schon immer ein Haus am Fluss haben“, sagt Martin Weber und blinzelt in die Sonne. Diesen Traum hat sich der 54-jährige freie Architekt mit seiner Frau Ute, der leitenden Regensburger Stadtplanerin, mitten in der Regensburger Altstadt an der Donau erfüllt:

Aus den Resten eines Stallgebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einem Wohn- und Bürogebäude umgebaut worden war, ist ein energiesparendes Mehrgenerationenhaus entstanden.

„Für unsere Mutter, die hier ihre eigene Wohnung bekommt, wird alles barrierefrei gebaut“, sagt Weber. Auch ein Fahrstuhl wird künftig die Webers vom Keller bis unters Spitzdach transportieren. Für die beiden Töchter, die inzwischen flügge geworden sind, ist ein sicherer Hafen mit zwei Appartements entstanden.

„So ein Mehrgenerationen-Objekt ist auch für unsere Stadt wichtig“, fügt Ute Hick-Weber an. Von der Flussseite aus gesehen reiht sich das Haus mit spitzem Giebel in das mittelalterliche Ensemble der Welterbestadt ein. Der Blick von der Rückseite deckt auf, wie trickreich die Webers ihrem Traum nahe gekommen sind. Alt- und Neubau wurden miteinander verbunden: Auf und um den 60er-Jahrebau wurde ein Anbau gesetzt, der rund 15 Meter in die Höhe ragt und mit Passivhauskomponenten modernisiert wurde.

Rudi Ostermeier
Der Baubegleiter: Rudi Ostermeier ist Experte für energieeffiziente Sanierungen und hat den Umbau von Anfang bis Ende begleitet.
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Anspruch, "Stadtreparatur" zu betreiben

„Wir hatten von Beginn an den Anspruch, mit unserem Bau Stadtreparatur zu betreiben“, sagt Hick-Weber. Die 53-Jährige Baudirektorin der Stadt Regensburg weiß, welche Vorgaben zu beachten sind. Eine Hürde etwa ist die Altstadtschutzsatzung gewesen, die großflächige Verglasungen, Dachflächenfenster oder Sonnenkollektoren nicht erlaubt. „Man muss sich schon anstrengen, um die eigenen Gestaltungsvorstellungen mit den Zielen der Satzung in Einklang zu bringen.“

Passivhausstandard 70 mit Lüftungsanlage und effizienter Dämmung erreicht

Um den Effizienzhausstandard 70 zu erfüllen, haben die Webers zahlreiche Anlagentechniken und Dämmvorschriften umgesetzt: So sorgt die zentrale, hocheffiziente Lüftungsanlage für Wohnkomfort, weil sie die Be- und Entlüftung des Mehrgenerationenhauses übernimmt und gleichzeitig vor Straßenlärm schützt. Dieselbe Anlage gewinnt Wärme zurück und sorgt damit für zusätzliche Energieeinsparung. Wie auch die Pelletheizung im Keller. „Höchstens einmal im Jahr muss unser Holzstiftevorrat aufgefüllt werden“, sagt Weber. „Öfter möchte ich den Transporter auch nicht auf dem Hof sehen.“ Rudi Ostermeier, der als Experte für energieeffiziente Sanierungen den Bau vom Beginn der Planung über die Qualitätssicherung bis zur Fertigstellung begleitet hat, fügt hinzu: „Mit dieser Kombination aus Holzpelletheizung und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird das Haus zum einen kohlendioxidneutral beheizt und das Wasser erwärmt und zum anderen werden Heizkosten gespart.“ An den neuen und alten Wänden wurde außen eine 16 Zentimeter dicke Styropor-Dämmung angebracht. Hochwärmedämmende Fenster mit einer Dreischeibenschutzverglasung sorgen ebenso dafür, dass sich die Wärme nicht aus dem Haus verzieht.

Spannbeton
Energiesparend und besser zu verbauen: Spannbeton als Zimmerdecke. Die Wände wurden mit Schlämmputz bedeckt. "Ich will schon sehen, was hier neu gemacht wurde", so der Bauherr.
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Altes sichtbar lassen

Die Kombination von Altbau und Neubau erforderte auch besondere Lösungen zur Statik. So wurden zum Beispiel die Zimmerdecken in den Neubauteilen aus Spannbeton-Elementen hergestellt, um möglichst wenig Gewicht an den kritischen Stellen zu erzeugen. „Diese sind sehr leicht, filigran, kostengünstig und lassen sich schnell anbringen“, erklärt der Architekt.
Diese Bauteile werden nach statischen Erfordernissen mit Spannstahl während der Fertigung vorgespannt. So werden Zugkräfte, die durch spätere Lasten oder Temperatureinwirkungen entstehen, ausgeglichen. Spannbeton-Bauteile haben wesentlich weniger verstärkende Streben aus Stahl und sind flacher. Im ganzen Haus ist der Beton sichtbar und wurde nicht nachbehandelt. Puristisch und kühl wirken die Räume: „Ich will schon sehen, was hier neu gemacht wurde“, sagt Weber. Die gemauerten Wände wurden mit Schlämmputz behandelt. Ostermeier: „Der wird sehr dünn aufgetragen, so dass die Struktur des darunter liegenden historischen Mauerwerkes zu erkennen ist.“

Spitzdach
Hinter dem aufwändig gebauten Spitzdach verbergen sich zirka 50 Kubikmeter Zellulosedämmstoff. Die Mühe lohnt sich und die "Stadtreparatur" kann sich sehen lassen.
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50 Kubikmeter Zellulosedämmung unterm Dach

Unter dem neu aufgebauten Spitzdach verbergen sich zirka 50 Kubikmeter Zellulosedämmstoff, der in 32 Zentimeter breite Zwischenräume eingeblasen wurde. Werden ökologische Dämmstoffe wie Zellulose in den Innenräumen verwendet, sorgen sie buchstäblich für ein gutes Klima, denn sie gleichen Feuchtigkeitsschwankungen aus. „Ein wichtiger Kennwert dabei ist der sogenannte Dampfdiffusionswiderstand, der möglichst klein sein sollte“, sagt Ostermeier. Zellulose könne Feuchtigkeit aufnehmen, behalte dabei aber seine gute Dämmwirkung. Es gehöre zu den preisgünstigsten Öko-Dämmstoffen und sei deshalb auch für die kleinen Sanierungsbudgets interessant.

Kombination verschiedener KfW-Fördermittel

Die Umbauarbeiten an der Donau begannen im Juni 2010. Ein dreiviertel Jahr später waren schon alle Zimmer bezugsfertig. Und der Staat griff den Webers finanziell unter die Arme: Für die umfassende Sanierung, die den Altbau zum Energie-Effizienzhaus 70 macht, kam das Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) „Energieeffizient Sanieren“ mit einem Zuschuss zum Tragen. Der neue Anbau wurde mit dem Programm „Energieeffizient Bauen“ bezuschusst. Auch die Barrierefreiheit im neuen Haus wurde unterstützt: mit „Altersgerecht Umbauen“ gab es noch mal eine Förderung dazu. „Insgesamt haben wir für die Sanierung und den Neubau neben den Fördermitteln der KfW etwa 350.000 Euro bezahlt“, weiß Weber. Die Beratung bei der lokalen Bank sei sehr gut gewesen, so dass die optimale Kombination der Fördermöglichkeiten gefunden wurde. „Die KfW will es natürlich ganz genau wissen. Wir mussten dann schon mal erklären, dass wir keine durchschnittliche Sanierung machen.“

Regensburg Martin Weber
Der Architekt und Bauherr Martin Weber vor seinem Haus in der Regensburger Altstadt. Noch stehen die Baugerüste vor der neuen Fassade.
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Baustelle kann den Altag belasten - Baubegleitung ratsam

Das Leben mit und auf einer Baustelle zerrt zeitweise an den Nerven. „Wenn man selber viel auf der Baustelle mitarbeitet, nebenher aber noch andere Termine hat, ist das schon erschöpfend“, weiß Martin Weber. Ursprünglich wollten die Webers während der Arbeiten im neuen Haus wohnen bleiben. Doch diese Entscheidung wurde bald verworfen und eine Wohnung in der Nähe angemietet. „Hätten wir im Haus gewohnt, als die Schächte für den Lift gebaut wurden und der anhaltende Sommerregen durch das abgedeckte Dach bis in den Keller gedrungen ist, wären wir vermutlich in der Psychiatrie gelandet“, lacht Martin Weber. „Für unbedarfte Sanierer gebe ich den Rat, sich unbedingt einen erfahrenen Architekten als Betreuer für den Bau an die Hand zu nehmen. Als meine Eltern zum Beispiel in den 60er Jahren gebaut haben, fühlten sie sich völlig ausgeliefert, waren überfordert und wollten nie mehr bauen“, erinnert sich Ute Hick-Weber.

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