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Gelegenheit macht Sanierer: Das Haus als Einheit verstehen Mailen Drucken

„Haus sanieren - profitieren“- Kampagnenleiter Andreas Skrypietz im Gespräch
Andreas Skrypietz © DBU/Haus sanieren - profitieren!

Zum Heizen und für die Warmwasserbereitung nutzen unsanierte Wohnhäuser knapp 90 Prozent der Energie. Das Potenzial, hier zu sparen und damit den klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß zu verringern, ist also enorm. Andreas Skrypietz, Projektleiter der bundesweiten Beratungs- und Klimaschutzkampagne „Haus sanieren - profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), im Gespräch.

Welchen Stellenwert nimmt die energetische Sanierung von Häusern beim Erreichen der Klimaschutzziele ein?

Skrypietz: Ohne Gebäudesanierung keine Energiewende – ganz klar. Für das Erreichen der Klimaschutzziele wäre es schon ein großer Fortschritt, wenn jeder Hausbesitzer die positiven Effekte einer Sanierung auf das Klima kennen und entsprechend handeln würde. Denn der unsanierte Gebäudebestand mit seinem hohen Energieverbrauch hat einen erheblichen Anteil am Entstehen von klimaschädlichen Treibhausgasen. Daher muss weiter über die positiven Effekte einer Sanierung auf das Klima aufgeklärt werden. Jeder Hausbesitzer muss wissen, dass er bei einer energetischen Sanierung einen Beitrag zum Klimaschutz leistet und langfristig seinen Geldbeutel schont.

Viele zukünftige Sanierer stehen vor der Frage Teil- oder Komplettsanierung. Was genau bedeuten diese beiden Möglichkeiten?

Skrypietz: Komplette energetische Sanierungen sorgen für einen erheblich geringeren Energieverbrauch und tragen sehr viel zum Klimaschutz bei. Der Hausbesitzer hat durch sie auf Jahre gesehen spürbare finanzielle Entlastungen bei den Energiekosten. Aber er hat auch hohe Investitionskosten auf einmal. Entscheidet sich der Bauherr für eine schrittweise Sanierung am Haus, sollte er auch hier sein Vorgehen genau planen. Aufeinander abgestimmte Sanierungsmaßnahmen können in einer am Ende gut durchdachten Komplettsanierung münden. Solche Teilschritte, quasi mit Fahrplan, sind angemessen, um die finanzielle Last besser zu schultern oder um sie mit anderen Baumaßnahmen besser miteinander abzustimmen. Der Beitrag zum Klimaschutz ist ähnlich hoch wie bei einer Komplettsanierung, aber insgesamt gesehen sind die Kosten eher höher.

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Welchen Nutzen haben dann Teilsanierungen am Haus?

Skrypietz: Sie sind sinnvoll, wenn sie Schritte auf dem Weg zu einer vollständigen Sanierung des Hauses sind. Natürlich kann man sich dazu entscheiden, eine neue Heizung einzusetzen, weil die Alte einfach zu viel Energie vergeudet hat. Wenn aber gleichzeitig der Hausmantel ungedämmt ist und die Fenster keine Wärme im Raum halten können, führt die Heizungserneuerung allein nicht zum optimalen Ziel. Das heißt also, dass eine teilweise Sanierung zwar vereinzelt richtig ist, aber nur nach Abschluss aller Einzelmaßnahmen zur gewünschten Energieeinsparung führt. Wer sein Haus in Einzelschritten saniert, verpasst eine günstige Gelegenheit, schneller Umwelt und Geldbeutel zu schonen.

Wie sind große Energieeinsparungen möglich?

Skrypietz: Wer das Haus als eine Einheit sieht und danach auch seine energetischen Sanierungsmaßnahmen ausrichtet und miteinander kombiniert, wird schnell viel Energie zum Heizen einsparen. Schneller jedenfalls, als wenn er nur einzelne Bauteile im Fokus hat. Würden also die vier neuralgischen Punkte am Haus - Dach und Fassade, Fenster und Heizungsanlage – zusammen angepackt werden, ließen sich mitunter in einem Rutsch bis zu 90 Prozent Heizenergie sparen. Und unabhängig vom Sanierungsniveau führt auch immer das energiesparende Verhalten der Bewohner zum Erfolg. Ihre Gewohnheiten könnten mitunter nämlich auch häufig ‚saniert‘ werden. Muss denn wirklich das Fenster lange auf Kipp stehen, obwohl die Heizung läuft? Oder kann nicht auch kürzeres Stoßlüften für frische Luft sorgen?

Eine vielgeführte Diskussion ist ja, dass die mit einer Sanierung verbundenen Kosten abschreckend seien.

Skrypietz: Auf den ersten Blick wirken sie sicherlich bremsend auf motivierte Hausbesitzer und sind für einige eine enorme Hürde. Aber man sollte auch bedenken, dass diese Kosten ja im Laufe der Jahre durch geringere Ausgaben für Energie wieder eingespart werden. Durch gute Erstinformationen mit anschließender Energieberatung können aber für fast jedes Gebäude Lösungen gefunden werden, die rentabel sind. Klar ist aber auch, dass Hausbesitzer ihre Entscheidungen nicht nur nach der Wirtschaftlichkeit treffen. Werterhalt und Wertsteigerung der Immobilie sind ihnen ebenso wichtig wie Schönheit des Gebäudes und das Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden.

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Wer greift Sanierern finanziell unter die Arme?

Skrypietz: Wer sein Haus jetzt nicht saniert, verzichtet auf wertvolle Finanzspritzen, nicht nur vom Staat. In Deutschland gibt es eine breitgefächerte Förderlandschaft. Sie reicht von den Angeboten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über die des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bis zu kleineren, lokalen und regionalen Anreizprogrammen. Nachfragen bei einem örtlichen Energieberater lohnen sich. Heutige Beratungs- und Fördermöglichkeiten helfen dabei, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen von kompletten Sanierungen zu finden. Die KfW fördert mit Krediten und Zuschüssen vollständige Sanierungsmaßnahmen und einzelne Vorhaben. Auch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wird bezuschusst. Solarkollektoren, Wärmepumpen und Pelletöfen werden etwa durch das Bundesamt gefördert.

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